Poker Strategien

Endphase Turnier-Konzept

Ich kenne mehr als nur ein paar Leute, die davon ausgehen, dass du diesen Artikel wohl nicht gelesen hast. Denn sie verdienen Summen im sechsstelligen Bereich indem sie das fehlende Wissen der Spieler über Konzepte, die in diesem Artikel erklärt werden, ausnutzen. In der Mitte und am Ende eines multi-table Turniers kann man viele Chips gewinnen, wenn man ein paar einfache Konzepte verstanden hat.

Antes Sind Gut

Viele weniger begabte Pokerspieler könnten ihr Spiel dramatisch verbessern, wenn sie sich darüber bewusst wären, welchen Einfluss die Antes auf ein Turnier haben. Es gibt einen enormen Unterschied zwischen 200/400 Blinds und 200/400/50 (50 steht für die Antes). Bei neun Spielern am Tisch sind 450 Chips von den Antes tot im Pott. Das gleicht einem Spieler der gelimpt ist. Ihr wisst ja, dass Limpen die Antithese von Aggression ist und Aggression bekanntlich bei Poker belohnt wird.

Die Blinds zu stehlen lohnt sich also viel mehr in Levels in denen es Antes gibt. Viele andere Konzepte, die mit der Debatte zu tun haben „Wie klein muss dein Stack sein, um mit Ass-Neun in mittlerer Position All-in zu gehen?“, haben Antworten, die stark davon abhängen ob oder ob nicht Antes im Spiel sind.

Als Daumenregel kann man festhalten, dass der eigene Stack weniger Wert ist, aber dafür es wertvoller ist Potts zu klauen, wenn Antes im Spiel sind.

Blind vs. Blind Battles

Nehmen wir an ein Spieler hat acht Big Blinds (Antes im Spiel) und ist in Small Blind Position. Alle folden. Wenn der Spieler gut ist, dann wird er mit so gut wie jeder Hand all-in gehen. Warum? Zwei Gründe: Erstens, der Pott ist groß. Er stiehlt nämlich nicht nur ein Big Blind, sondern zwei (denkt an die Antes!) und kann außerdem sein Small Blind verteidigen. Zweitens muss er nur einen Spieler dazu bringen ein völlig unbekanntes Blatt zu folden. Die meisten Spieler würden wahrscheinlich nur mit den topp 10-20% der Startblätter callen. Das bedeutet, dass man 4 von 5 Mal den Pott einfach so gewinnt. Und wenn der Gegner callt, kann man immer noch Glück haben, gewinnen und seinen Stack verdoppeln.

Die Kehrseite zu diesem Konzept ist, dass man Spieler identifizieren muss, die über dieses Konzept bescheid wissen. Wenn ich an einem Tisch sitze und weiß, dass der Spieler in Small Blind Position gut ist, dann call ich ihn vom Big Blind mit einer weitläufigen Bandbreite an Startblättern, zu denen auch Dame-Acht und Bube-Neun gehören. Auch wenn sich das vielleicht absurd anhört, so weiß ich doch, dass jeder guter Spieler in solch einer Situation mit so gut wie jedem Startblatt all-in gehen würde. Und so lange man das weiß, ist ein Blatt wie König-Neun the Nuts!

Re-Stealing und Fold Equity

Man kann seinen Stack sehr schnell und mit wenig Risiko aufbauen, wenn man gut geplante Re-Steals macht. Ein Re-Steal ist, wenn ein Spieler erhöht und man selbst all-in geht (bzw. auch wieder erhöht, weil der eigene Stack zu hoch ist, um all-in zu gehen). Im ersten Teil haben wir gelernt wie leicht es ist Blinds zu stehlen. Jetzt könnt ihr euch vorstellen, wie wertvoll es ist die Blinds von jemanden zu stehlen, der gerade selbst versucht die Blinds zu stehlen. Man kann buchstäblich 50% seines Stacks hinzugewinnen, ohne in einer Re-Steal Situation seine Hand zeigen zu müssen.

Auch wenn ein Re-Steal sehr effektiv sein kann, so ist es doch auch gefährlich. Wenn man die Blinds stiehlt, dann hat bisher noch keiner Aggression gezeigt und man muss nicht unbedingt um viel erhöhen, um die Blinds zu stehlen. Bei einem Re-Steal hat allerdings schon jemand Aggression gezeigt. Man sollte sich also sicher sein, dass entweder der Gegner foldet oder man eine gute Hand hat, mit der man auch gewinnen kann, falls der Gegner callt.

Wie effektiv Re-Stealing mit dem Ziel den Gegner zum Folden zu bringen ist, hängt vom Chipstack ab. Wenn ein Spieler um drei Big Blinds erhöht und man geht mit acht Big Blinds all-in, dann wird einen der Gegner, wenn er kein wirklich schlechter Spieler ist, immer callen. In dieser Situation sollte man sicher gehen, dass man ein Blatt hat mit dem man kämpfen kann. Wenn man aber 15 Big Blinds hat und all-in geht, dann hat man etwas das man „Folding Equity“ nennt. „Folding Equity“ könnte man groß und breit erklären, aber am besten lernt man „Folding Equity“, wenn man Turniere spielt. Nach einer Weile lernt man verschiedene Situationen einschätzen und kann dann die verschiedenen Grade von „Folding Equity“ unterscheiden. Viel Glück dabei!

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